Was ist Jazz?

Stichhaltige Definitionen von Musikstilen sind immer mühsam, weil die Genres fließend ineinander übergehen. Bei Jazz erst recht: Zum einen weil das Leihen von anderen Musikstilen schon immer zum Wesen des Jazz gehört, zum anderen weil Jazzmusiker rebellische Querköpfe sind, die liebend gerne Regeln brechen und so ganz schnell jede Definition zunichtemachen ...

Nichtsdestotrotz kann man einige Merkmale ausmachen, die zumindest den normalen, sog. „straight ahead” Jazz kennzeichnen:

  • Die Improvisation: Obgleich bei einer Kadenz in der Klassik oder Lead-Gitarre im Rock auch gelegentlich improvisiert wird, ist Jazz das einzige westliche Musikgenre, wo die Improvisation geradezu als konstituierendes Merkmal gilt. Im Jazz bestehen alle gespielten Stücke überwiegend aus einer gemeinsamen Improvisation von allen beteiligten Instrumenten.

  • Die anspruchsvolle Harmonie: Ob Klassik, Rock/Pop oder Volksmusik, die westliche Musik basiert überwiegend auf der Dreiklangharmonie Grundton-Terz-Quint in Dur oder Moll. Jazz ist anders, da hört man mindestens vierkantige Septimakkorde, und häufig kommen noch die None, Elfte und/oder Dreizehnte dazu. Seit Bebop machen Jazzer zudem häufig Gebrauch von sog. alterierten Tönen – z. B. große None oder verminderte Quint – um noch mehr Farbe in den Klang hineinzubringen.

  • Der Rhythmus: Jazz wird mit ungleichmäßig geteilte, sog. Swing-Achtel gespielt. Das geht in Richtung eines Blues-Shuffle-Rhythmus (z.B. „That'll Be The Day”), wird aber noch viel lässiger gespielt. Schlagzeuger spielen filigrane Motive um den Rhythmus herum während der Kontrabass den regelmäßigen 4/4-Puls liefert.

  • Die Bandbesetzung: Ganz typisch ist ein Quintett aus Saxofon, Trompete, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Wenn eine Gitarre dabei ist, dann weder eine Western- noch E-Gitarre sondern eine Jazzgitarre mit Hohlkorpus, zwei F-Löchern und unverzerrter Verstärkung. Jazzgesang hat sich auch früh etabliert, aber mehrheitlich wird Jazz rein instrumentell gespielt.

Aber wie schon gesagt, Jazzer sind experimentierfreudige Querköpfe: Es gibt auch Jazz mit Latin-Rhythmus, mit Rock- oder Funk-Groove samt E-Gitarre, Keyboard und E-Bass, mit ganz anderen Instrumenten, sogar Jazz mit Dudelsack oder Alphorn!